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Bericht Kreis-Vorsitzender Herbert Kutscher beim Kreis-Sängertag 2016 PDF Drucken E-Mail

Bericht Kreisvorsitzender Kreissängertag 2016

 

Liebe Sangesfreundinnen und Sangesfreunde, einige Anmerkungen von mir zur aktuellen Chorszene bevor wir unter TOP 9 noch über die Chancen des Chorsingens in der heutigen Zeit diskutieren.

In der Einladung zum heutigen Kreissängertag hatte ich um besseren Besuch als in den Vorjahren gebeten, da es um den Fortbestand des Chorwesens im Kreischorverband Neuwied geht. Der Besuch ist mit der Hälfte der Vereine wieder miserabel und wird dem hochbrisanten Thema nicht gerecht. Das Chorwesen, liebe Freunde, befindet sich in einer ganz entscheidenden Umbruchphase und wir entscheiden, d. h. jeder einzelne Chor, mit seinem Chorleiter, wohin uns unser Weg führt. Die Entwicklung des Chorwesens darf uns keinesfalls egal sein. Zum einen stehen wir vor dem Dilemma (bundesweit) dass die herkömmlichen und nach alten Vereinsstrukturen arbeitenden Chöre verzweifelt um ihren Fortbestand kämpfen. Das endet dann vielfach mit einem lapidaren Schreiben an den KCV „Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass wir das Singen mangels ausreichender Sängerzahl mit Wirkung vom…eingestellt haben“. Leider erfolgt ein solcher Schritt meist, ohne den KCV vorher einmal um Rat oder Unterstützung eingeschaltet zu haben.

Mit großer Sorge beobachten wir, dass nicht nur die kleinen Chöre „wackeln“, sondern auch unsere bisher größten und leistungsstärksten Chöre. Das Problem liegt oft nicht nur an der fehlenden Sängerzahl, meist demografisch begründet, aber nicht nur, sondern mittlerweile auch an der mangelnden Bereitschaft, Vorstandsposten entsprechend dem Vereinsrecht ordnungsgemäß zu besetzen. Hier droht die Auflösung des Vereins mit allen vereinsrechtlichen Konsequenzen! Das  Problem der überalterten Vorstände zieht sich durch alle Ebenen bis in den Chorverband. Aber wo sollen junge Vorstandsmitglieder auch herkommen, wenn wir keine jungen Sänger haben.
Frauenchöre haben übrigens, obwohl alle erst in den letzten 30 Jahren gegründet, die gleichen Probleme.

Verzweifelt, es ist 5 nach zwölf! versuchen die Vereine Gegenmaßnahmen zu ergreifen, als da wären:

a)      Bildung von Chorgemeinschaften (Bsp. N’breitbach/Hausen. Heimb.-Weis/43 Sänger, Altwied/Segendorf)

b)      Bildung von gemischten Chören (Bsp. Oberbieber, Hardert UNISONO

c)       Bildung von Projektchören (Bsp. Neustadt 70 Sänger bei Kölsch-Konzert, Niederbieber, Niederbreitbach-Hausen

Frage TOP 9: „Sind das Lösungen für die Zukunft?“

Andererseits besteht grundsätzlich ein großes Bedürfnis der Menschen  zum Singen, Beispiele drücken sich seit einigen Jahren aus in der starken Bildung von Pop- und Jazzchören, Gospelchören, Jungen Chören, Ü 60 Chören, Schwulen- und Lesbenchören, Vokalensembles mit lustigen Namen, oft Unterabteilung eines Männerchores.

Nach den gemachten Erfahrungen sprechen diese Art Chöre Leute an, die noch nie vorher gesungen haben!

Neueste Masche = Rudelsingen

1000e Menschen stehen stundenlang, schmettern begeistert alte und neue Hits, nach Karaoke, und zahlen auch noch Eintritt (You tube zu sehen). Ist mir nicht zu banal! Könnte mir so was auf Kreisebene denken. Wo Menschen zum Singen animiert werden ist dies gut im Sinne unserer Sache, vielleicht  bleibt doch der eine oder andere in unseren Chören hängen. Interesse Medien bemerkenswert
12 Seiten RZ noch nie da! Interview Kreisvorsitzender, Lokalteil RZ.

Also schaltet uns ein, bei Problemen trotz Minibesetzung im Vorstand, wir kommen gleich darauf zu  sprechen, versuchen wir zu helfen, zu beraten,  örtliche Lösungen zu finden (Voraussetzungen sind nicht überall gleich, Vergleiche daher nur bedingt möglich, aber als Vorbild verwendbar).

Meldet euch zu chorischen Veranstaltungen des KCV (Kreischorkonzert 14 Chöre/Offenes Singen Altwied 12 Chöre) zeigt der Öffentlichkeit, dass ihr noch da seid, entwickelt eigene neue, musikalische Ideen, Konzerte, Bunte Abende (Oberbieber) Offene Singen (Axel ROMEOS). RZ Artikel fast täglich, nicht beschweren. Was bei Chören in anderen Kreischorverbänden z.B. WW und Raum Limburg  gelingt, nämlich  junge Leute in die Vereine zu bekommen und dem Vereinssterben erfolgreich entgegenzuwirken, muss auch in unsrem KCV möglich sein. Bei den Musikvereinen ist dies möglich, 2/3 junge Leute.

Und jetzt das Wichtigste:

Große Verantwortung liegt bei den Chorleitern, der Chorleiter ist die wichtigste Person in einem Chor, wichtiger als jedes Vorstandsmitglied. War selbst 30 Jahre Chorleiter, weis, wovon ich spreche.

Die Chorleiter müssen immer wieder neue Ideen entwickeln (Beispiele Thalhausen, Oberraden auf Anhieb 10 junge Sänger) engagiert sein, auch ehrgeizig, dem Chor ehrgeizige Ziele setzen im Rahmen seiner Möglichkeiten (Carsten Trost „Rheinperle“ Weis, nicht zu schade nach zweimaligem Verfehlen des Ziels Meisterchor ein drittes Mal zu versuchen und erfolgreich zu sein. Unser erfolgreichster Meisterchor, der FC „Melodia“ Asbach, 5 x Meisterchor Brandenburger, Ilajew).

Leider ist die Zahl der Chorleiter, die sich besonders engagieren, in unserem KCV begrenzt, es sind immer wieder dieselben Namen, die für erfolgreiche Chorarbeit auch in schwierigen Zeiten stehen (Wolfgang Fink,  der leider viel zu früh verstorbene Georg Wolf) Die Chorleitertätigkeit soll natürlich entsprechend honoriert werden, aber das kann nicht das einzige Kriterium einer Chorleitertätigkeit sein.

Eine Verdoppelung des Monatsbeitrages um den Chorleiter bezahlen zu können ist keine gute Grundvoraussetzung. Ich sage eines ganz deutlich, und darüber müssen sich alle Chorleiterinnen und Chorleiter im klaren sein: wenn es keine Chöre mehr gibt, brauchen wir auch keine Chorleiter mehr! Also sind die Chorleiterinnen und Chorleiter in der aktuellen Situation besonders gefordert, müssen sich besonders stark engagieren. Auch hier sieht es in anderen Regionen besser aus als bei uns.

Liebe Sangesfreundinnen und Sangesfreunde, ich habe versucht,  einige Fakten der derzeitigen Chorszene zu beleuchten. Wollte sie ermuntern, nicht aufzugeben, sondern sich vorhandenen Problemen mit Mut und Ideen entgegenzusetzen.

TOP 9 Erfahrungsaustausch

Wir haben zwei Generationen lang einiges verschlafen, auch die Chorverbände und es ist schwierig, auf den Zug wieder aufzuspringen, aber die von mir geschilderten Entwicklungen zeigen, was offensichtlich heute noch möglich ist.

Lest die Zeitschrift „Chorzeit“ des DCV und das „Singende Land“ des CV Rheinland-Pfalz und werft sie nicht direkt in den Papierkorb, gebt sie auch an die Chorleiter weiter, hier werden Wege für eine erfolgreiche Chorarbeit in der Gegenwart aufgezeigt.

Nutzt die angebotenen Workshops und Seminare  der Chorverbände, und die unter dem neuen Namen Chorcoaching nicht nur in musikalischen, sondern auch in organisatorischen Fragen angebotene Beratung der CV. Also, liebe Freundinnen und Freunde, ihr seht, der Gesang, speziell der Chorgesang lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Lasst uns die derzeitig durchaus vorhandene Euphoriewelle (sie drückt sich wie erwähnt aus in der Gründung neuer Chöre) nutzen, vielleicht ist es doch noch nicht zu spät!

Es ist erkannt, und anerkannt, dass der Gesang dem Menschen nicht nur seelisch gut tut, sondern auch körperlich, auch hiermit sollten wir werben.

Unter TOP 9 kommen wir auf das Thema zurück, vorerst vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit

 

Herbert Kutscher
Kreisvorsitzender

 
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